Oberalper Grat
An einem wunderschönen Herbstmorgen fuhren wir von Schwyz her Richtung Isenthal. Dank minutiöser Planung erreichten wir das Dorf, ohne mit dem Postauto kreuzen zu müssen. Im Grosstal parkierten wir die Autos bei der Talstation der Gitschenen-Bahn und marschierten noch etwas fröstelnd los. Bald hatten alle warm, denn unser fitter Tourenleiter Otmar gab das Tempo vor und führte uns einen steilen Pfad Richtung Gerenalp hinauf.
Heil oben angekommen präsentierte sich uns ein herrliches Bergpanorma – das Gipfelraten konnte losgehen. Weiter gings schnurstracks steile Planggen hinauf zum Objekt der Begierde – dem Oberalpergrat. Über Eisensprossen und Grasstufen erreichten wir unseren Znüniplatz und hatten vom Grat aus eine tolle Aussicht auf die bemitleidenswerten Aargauer unter dem Hochnebel. Nicht ganz klar war der Standort des spektakulären Lochs im Oberalpergrat («Tor» genannt), da wir dieses sozusagen unter unseren Füssen hatten und nur im Schatten des Grates sehen konnten. Auch nicht ganz klar war, ob Otmar und Petra vor 4, 9 oder 49 Jahren die Tour das letzte Mal gemacht hatten. Wir waren uns aber alle einig, dass beide jedes Jahr jünger aussehen.
Nach der kurzen Rast gings weiter zum «Stockzahnd» einer spektakulären Kalksteinsäule mitten auf dem Grat. Im Laufe der Jahrtausende wurde dieser Zahn von Karies befallen – er ist voll von Rissen und brüchigen Steinen, weshalb wir uns in zwei Gruppen an unsere SAC-Wurzelbehandlung machten. Ausgerüstet mit Gstältli und Klettersteigset bestiegen alle 10 Tourteilnehmenden den Kalkpfeiler und bestaunten das kolossale Gipfelkreuz, das sogar dem Rophaien Konkurrenz macht. Notiz an jene die als nächstes dem Oberalpergrat auf den Stockzahn fühlen wollen: nehmt ein neues Gipfelbuch mit, das alte ist schon flätt verfault.
Nach dem Abstieg vom Zahnd gings über den Grat und trockene Grasplanggen weiter Richtung Bärenstock. Das Traversieren in diesen «Süübördern» war nicht ganz ohne und verlangte unsere vollste alpinistische Aufmerksamkeit. Alle meisterten diese Herausforderung aber bravourös und auf dem Bärenstock angekommen gab es allseits gegenseitige Gratulationen – was es zum Glück nicht gab war ein Bär.
Unser Abstieg erfolgte dann in Richtung Sulztal, wobei wir bei den vielen Steinrisen vorsichtig sein mussten, um nichts loszutreten. Schon bald waren wir in Gitschenen angelangt und trafen dort auf einen Hobbyfunker, der mit russischen Spionen und Ausserirdischen Kontakt aufnahm. Mit dem Bähndli gings runter zur Talstation und anschliessend zu Kaffee und Kuchen an die Isenthaler Chilbi. Europas grösstes Riesenrad war bei unserer Ankunft leider schon wieder abgebaut worden.
Vielen Dank an unseren Tourenleiter Otmar und alle Teilnehmenden! Es war eine herrliche Tour bei grossartigem Wetter – gerne wieder!
















