Rigi sunnähalb
Heftige Gewitter mit viel Wasser (ca. 20 L / H) am Nachmittag war die Prognose für den Dienstag. Dazwischen gewährte uns der allmächtige Wettermacher Petrus ein sonniges 4 ½ stündiges Zeitfenster. Dieses genügte um meine Bergwanderung Rigi sunnähalb durchzuführen. Zögernd gingen die Anmeldungen ein. Da sind ja auch noch die 1000hm, die zu bewältigen waren. Im Rückblick betrachtet hat es mir glaubi ins Hirni gsch…..ssä. War so überzeugt, dass es klappt. Und es hat auch.
Zehn Wagemutige und 4 Aufpasser sind die Überzeugten. Fast individuell ging es los. Peter war schon unterwegs, weil ihm die Wartezeit zu viel war. Silvia und Susi nahmen die Variante Seebodenalp in Angriff, da Susi immer noch nach Jahren, des Skiabschusses wegen, an heftigen Beschwerden leidet. Und ich war gespannt welcher „Vogel“ mich in Weggis erwartet, der mir die Entstehung des Rigi-Liedes schmackhaft machte. John entschuldige, aber unser Treffen war ja schon speziell. „Vor hundert Jahrä s’erschtmal gseh und grad wieder kännt“. Die verbliebenen Schäfchen beisammen und los geht es.
John muss in Weggis ein Original sein, ein Kurdirektor, der über alles Bescheid weiss. Wir sind keine 200m unterwegs begrüsste uns der pensionierte Dorfpolizist und 10 Minuten sind hin. Wieder 200m später die nächste Inforunde. John stellte uns den pensionierten Kantonsförster vor und erklärte ihm warum wir hier herumstampfen. Wenn das so weiter geht kommen wir nie nach Kaltbad. Flurnamen woher sie kommen – die Erklärung hat John.
Oberhalb Gribsch kehrt nun etwas Ruhe ein. Die Wandernden sind mit sich beschäftigt. Steil steigt der Weg zum Tannenberg und Stutzberg auf. Nach 2 Stunden erreichen wir die Alpwirtschaft Räbalp. Zeit für eine kurze Pause und die versprochene Geschichtsstunde für John in Sachen Entstehung des Rigi- Liedes „Vo Luzärn gägä Weggis zue“ von Alfred Leonz Gassmann. Und so nebenbei überreichte er mir mit Widmung und voller Überschwenglichkeit ein neunhundertsiebenunddreissig Gramm schweres und 290 Seite dickes Buch namens „der Brummbär“.
Der kleine John von Irland ist heute Auto, Redaktor der Wochenzeitung, Musiklehrer, Rigi Kenner Südseite, altershalber Zeitvertreiber. Ein Unikat. John Dabelyou Brännen ist sein Name. Das war sein Einstieg zur ersten Veteranentour unserer Sektion. Dann aber verabschiedete er sich, weil ein Konzert am späteren Nachmittag in Weggis angesagt ist. John, danke dich kennengelernt zu haben. Ich habe es richtig genossen.
In der Ferne im Jura bilden sich langsam dunklere Wolken. Für uns ein mahnendes Zeichen die Bergtour fortzusetzen. Es verbleiben zum Känzeli noch etwas über 300hm. In Kaltbad. Die nächste Überraschung findet sich in den Personen von unserem legendären Paul und seiner Frau Martha. „Ich ha üch im Alpina äs Tischli reserviert“. Und jetzt gaht’s wieder los „weisch nu“. Mit einem schelmischen Lachen im Gesicht „plagierte“ Paul von seinen manchmal abenteuerlichen SAC Touren, die heute als „selbstmörderisch“ bezeichnet würden. Viele vergangene Erinnerungen werden aufgefrischt. Erlebnisse geteilt. Martha hat zu Ehren ihrer langjährigen Karriere im S.F.A.C. und treues Mitglied unserer Sektion den Mitgliederausweis von 1966 mitgebracht. Das waren noch Zeiten. In Zukunft ist alles auf dem Handy. Stürzt es einmal ab, stehst du mit leeren Händen wie ein Pausenclown in der Landschaft herum. Die Gewitterwolken haben mittlerweile auch die Rigi erreicht.
Wir verabschieden uns von Martha und Paul. Wünschen ihnen alles Gute und ein Wiedersehen. Das nasse Schauspiel kann uns nichts anhaben. Wir sitzen in der Zahnradbahn und rattern Vitznau entgegen. „Äs schrpängt nid“. Kurzerhand entschieden wir die Heimfahrt auf dem Schiff zu verbringen. Tief hangen die Gewitterwolken an der Rigilehne. Zeitweise hinunter auf die Seeoberfläche.
Louis Kälin, TL





