Veteranen

Pizol Klassiker – 5 Seenwanderung

Tourenbericht: Louis Kälin
Tourenleiter: Louis Kälin
  • bim Fachsimple
  • Wulläbälläli
  • im Aufstieg zur Wildseelücke
  • Pizol ohne Gletscher - es war einmal
  • 17 Sektiönler
  • Fleischmärcht im Gebirge
  • äs gaht nitzi
  • Proscht!

Die Wetter App Bergfex prophezeite für diesen Dienstag einen Prachtstag. 15 Stunden Sonnenschein und im Tal Temperaturen in den ersten 30 Graden.

Szenenwechsel Pizolhütte: Die Pizolbahnen gondelten und sessellifteten 18 Sektiönler, darunter ein Frau, nennen wir sie Viola aus der Nähe von Dresden, zur Bergstation. Oben angekommen verschwinden die Tourteilnehmer in die geldseckelleerende Pizolhütte. Was hend ächt die vor? S' Veteranengnüssli mit em Gipfeli. Kaum niedergelassen erschien eine schwarzgekleidete hübsche Serviceangestellte und raubte uns die Sicht zu den montierten Sonnenschirmen, diese wiederum auf die geschlechterbestimmten Der-, Die-, Das- Berge. Äs laus Bärglüftli schtricht um üsi Nase.

Während dem Morgenakt mussten wir feststellen, dass uns die Bahn bschissä hed. Gemäss unserer hochaufgelösten und mit schweizerischer Präzision gedruckten Landeskarte marschieren wir an 4 Seen vorbei. Sofort bereiten einige Teilnehmer eine Sammelklage um Rückerstattung eines zu bestimmenden Geldbetrages vor. Formel: bezahlter Betrag geteilt durch 5 mal 4 ergibt neuer Betrag!

Nach dieser Tourvorbereitung schreiten, äh marschieren, wir zur Tat. In zwei Gruppen, die 2. geleitet vom erfahrenen Tourenleiter Sebi, steigen wir auf zum in Sicht liegenden Zwischenziel Wildseelücke. Eine unbewilligte Prozession am helllichten Tag. Dutzende bemühen sich im Aufstieg. Unser Blick streifte mit der hier bietender Aussicht in die Ostschweiz.

Da erinnere ich mich auch, wie ich vor 50 Jahren meine erste Skitour auf den mit dem Gletscher vorgelagerten Pizol machte. Heute präsentiert sich eine kahle Geröllfläche und ein Zeitereignis, das uns Menschen dringend zum Umdenken zwingt, wollen wir unseren Nachkommen noch etwas von der vielfältigen Natur überlassen.

Wir müssen weiter. Von unserer 5-stündigen Bergwanderung haben wir erst eine gute Stunde hinter uns. Auf dem Schwarzkopf geniessen wir während dem Mampfen die Aussicht. Unter uns liegt der Schwarzsee. Von weitem erkennen wir am Ende des Rossstall-Rücken die Gamidaurspitze.

Vor dem Weitermarsch treten vier Weise der Sektion zusammen und versuchen eine Erklärung für die hellen Gesteinsformationen zu finden. Ich meine: Es sind Karrenspuren der alten Römer oder, da ja dieses Gebiet ein Teil des UrUr-Meeres war, die Maoris, die mit ihren Booten und den Auslegern hin und her schipperten. Ein zweiter meint: Es sind keine Auslegerspuren, sondern Fussabdrücke von bewachenden Hunden, die die Römertrecks begleiteten. Ein ganz Schlauer stellt die Frage: Waren sie nun vom Norden nach Süden oder umgekehrt unterwegs?

Und wie so oft: Da sich die Weisen der Sektion uneins waren, muss nun eine Expertise in den kommenden Monaten diesen äusserst brisanten Fall klären. Vielleicht erlebe ich es noch.

Als Tourenleiter kann ich versichern: Alkohol war nicht für die Phantasie verantwortlich. Wohl eher die eventuelle Überhitzung des Gehirns und etwas Müdigkeit in den Beinen. Oder wie ist es mit dem Nachlassen des Gedächtnisses bei Veteranen? Die Gewissheit zu finden bleibt den Teilnehmenden überlassen.

An allen diesen Seen herrschte reges Badevergnügen. In ein paar wenigen Spitzkehren erreichen wir kurz darauf den Schwarzsee und nehmen den Anstieg zum Rosstall unter die Füsse. Nächster Halt: die Gamidaurspitze, die ich letztes Jahr im Programm hatte. Gruppe zwei zog es vor, direkt zum Baschalvasee abzusteigen.

Vor dem letzten Abstieg zur alten Alp Gaffia wird angehalten, die verbliebene Restflüssigkeit in der Getränkeflasche geleert und alle Kräfte gesammelt. Denn jetzt können die Steine anhänglich sein und einen unvorhergesehenen Sturz verursachen.

Nach 5¼ Stunden Marsch sitzen wir bei einem verdienten Most, Radler oder Mineralwasser zusammen. Den allerletzten Abstieg ins Tal übernahm die Gondelbahn. Leicht müde verabschieden wir uns voneinander, wünschen einander eine gute Heimreise und freuen uns auf das nächste Wiedersehen.

Danke sagen möchte ich Sebi, dem Tourenleiter, den Fahrern Thomas, Werner und Walter, der zugleich die ihm aufgetragene Schlussmannrolle bestens erfüllte.

Tour vom 28. Juli 2026 | Bericht vom 29. Juli 2026