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Schöne Berge - eine Ansichtssache

 

Die neue Hauptausstellung des Alpinen Museums der Schweiz zeigt 120 Bergbilder aus der Gemäldesammlung des Hauses – von Ferdinand Hodlers «Aufstieg und Absturz» bis hin zu unbekannten Werken und Namen, angesiedelt zwischen Kunst und Kitsch. Es ist die zeitlose Sehnsucht nach den schönen Bergen, die interessiert: Wer malt hier eigentlich und warum? Weshalb dieses Verlangen nach konservierter unberührter Natur? Und wo trifft das Klischee auf die Realität?

Kennen wir sie nicht alle, diese Sehnsucht: Einfach nur Landschaft sehen. Blauen Himmel, goldenes Licht, scharfkantige Felsen, Firnfelder, Wiesen, vielleicht noch Scheunen im Talgrund, vielleicht noch einen Adler, der seine Schwingen ausbreitet – aber sicher keine Parkplätze, keine Seilbahnen, keine Schneekanonen, keine Hochspannungsleitungen, Rivella-Schirme, Zweitwohnungsbaukräne.

Berge wie Persönlichkeiten
Die Sammlung des Alpinen Museums der Schweiz umfasst rund 450 Bilder alpiner Landschaften. Darunter viele schöne Berge, porträtiert wie Persönlichkeiten, inszeniert als Orte der Sehnsucht. Die Zivilisationswelt ist meist abwesend und wird gerade dadurch umso sichtbarer. Sie stammen alle aus den letzten 250 Jahren und sind Ausdruck persönlicher Bergliebe der Malenden – aber auch Teil der populären Beziehungsgeschichte, die Menschen und Berge in der Schweiz verbindet. Sie sind Zeugnisse kultureller Befindlichkeiten und ästhetischer Praktiken, wie sie für unser Land und seine Wahrnehmung in der Welt über weite Strecken des 19. und 20. Jahrhunderts bezeichnend waren. Die Sujets wirken vertraut – haben wir sie nicht im Alpenhotel, am Bergbahnhof oder auf dem Kalenderblatt bereits gesehen? In dieser Vertrautheit liegt ihre Aktualität ebenso wie ihre Brüchigkeit begründet. Wollen wir der Schönheit der Natur nicht so recht trauen, dass wir uns ihrer seit zweihundert Jahren dauernd vergewissern müssen?

«Womit haben die Berge es verdient, dass wir sie anschauen?»
Die Ausstellung führt mitten in eine geballte Ladung Bergschönheit. Eine Auswahl an 90 Gemälden unterschiedlichster Formate lassen sich von einer Drehplattform aus betrachten oder erwandern. Ein literarischer Hörtext des Lausanner Dramaturgen und Theaterautors Antoine Jaccoud lenkt Blick und Phantasie: «Schau | Regarde» spürt unserer Leidenschaft für die Berge nach. Aber: «Womit haben die Berge es eigentlich verdient, dass wir sie anschauen?». Sie sind einfach da. «Es ist diese Permanenz», sagt Antoine Jaccoud, «die unser Interesse anfacht, uns aber auch beruhigt. Doch gerade die Dauerhaftigkeit der Berge wird heute durch die veränderten Klimabedingungen in Frage gestellt.» Da ist sie wieder, die Brüchigkeit.

Den Ansichten auf der Spur
Zwei Seitenräume vertiefen die Bergschau: Über eine Drehkurbel lässt sich die Sammlung nach verschiedenen Filtern digital durchforsten: So steigert sich etwa der strahlend blaue Himmel von Bild zu Bild zum Sturm («Wetterstimmungen»). Die Maler sind vertreten mit Albert Henri John Gos, auch «Hofmaler des Matterhorns» genannt. Oder Berthe Roten-Calpini, eine der wenigen Frauen unter den Bergmalenden. Zu den bekannten Namen gehören Albert Nyfeler und natürlich Ferdinand Hodler. Ihm widmet die Ausstellung im Hodlersaal mit den Dioramenbildern «Aufstieg und Absturz» einen eigenen filmischen Auftritt mit fiktivem Monolog (Schauspiel: Michael Neuenschwander, Text: Antoine Jaccoud). Der Raum bildet den Übergang zu neun Hörstationen, die dem zeitlosen Sehnsuchtsblick dokumentarische Berichte aus verschiedenen Berg-Perspektiven gegenüberstellen. So etwa von Anna Giacometti, Präsidentin der Gemeinde Bregaglia, zu der das Dorf Bondo gehört, das im Sommer 2017 von einem Bergsturz verschüttet wurde.

Berg im Sack
Ein «Kabinett» stellt mit rund monatlich wechselnden Ausstellungen in der Ausstellung die Frage, was sich denn heute in der Bergmal-Szene tut. Soviel ist gewiss: Gemalt wird noch immer. Wenn auch der Umfang der skizzierten, aquarellierten, in Öl gepinselten Bergbilder nur einen Bruchteil der Bergfotos ausmachen dürfte, die wir heute digital produzieren. «Haben Sie einen Berg im Sack»? fragt die Ausstellung denn auch zum Schluss und lädt dazu ein, ein Foto des bevorzugten Gipfels, Horns oder Hubels in eine neue virtuelle Sammlung einzuspeisen. «Schöne Berge» wird von zahlreichen Veranstaltungen und Vermittlungsangeboten begleitet. So bieten «promenadologische Führungen» Gelegenheit, sich aus spaziergangswissenschaftlicher Sicht mit den eigenen Ansichten und Wahrnehmungsgewohnheiten auseinanderzusetzen. In einem Postkartenbuch mit 40 Gemälden im Kleinformat gibt es die «Schönen Berge» auch zum Mitnehmen. 

Schöne Berge.
Eine Ansichtssache
23. Februar 2018 bis
6. Januar 2019  

Trailer zur Ausstellung «Schöne Berge. Eine Ansichtssache»

Video: Sebastian Geret

 

 


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