Sektion rüstet sich mit Krisenstab und Notfallkonzept für die Tourenleiter

 

Erhard Gick

«Gut haben wir eines, aber hoffentlich brauchen wir es nie», sagt Tourenchef Thomas Feer im Nachgang zur Präsentation des Notfallkonzepts unserer Sektion. Am 25. März wurde dieses abends im Mythenforum einer grossen Schar Tourenleiter präsentiert. 42 Tourenleiter verfolgten die Vorträge.

«Das schwerste Lawinenunglück des Winters 2014/15 hatte sich am 31. Januar 2015 im vorderen Prättigau ereignet. Die neunköpfige Skitourengruppe aus dem Kanton Aargau war am Piz Vilan (2376 M. ü. M) in eine Lawine geraten. Drei Männer konnten nur noch tot geborgen werden. Zwei schwerverletzte Frauen starben später im Spital.» So berichtete damals die Aargauer Zeitung. Um es vorweg zu nehmen, gegen den involvierten Tourenleiter wurde keine Anklage erhoben.

Im Zentrum der Präsentation stand zuerst ein Referat von Jakob Schlapbach der Sektion Lägeren, Aarau. Schlapbach war bei diesem tragischen Ereignis als Vorstandsmitglied involviert. Im Mythenforum zeigte er anhand dieses Ereignisses auf, was bei einem solchen Extremfall passieren kann und was alles abläuft. Es gelte auch, so Schüpbach, den direkt betroffenen Tourenleiter sowie die Sektionsmitglieder auf der Tour zu schützen.

Krisenstab kann jetzt agieren und reagieren

Leiter des Krisenstabes der Sektion SAC Mythen ist der erfahrene Tourenleiter Röbi Lumpert. «Die Idee des Krisenstabes ist es, zu beraten. Im Team sind erfahrene Alpinisten, aber auch Mitglieder der Rettungskolonne. Wir hoffen selbstverständlich, dass der Stab nie zum Einsatz kommt. Sollten wir aber ein Ereignis haben, sind wir gerüstet», liess Röbi Lumpert durchblicken. Aus diesem Grund habe man ein Notfallkonzept erarbeitet, welches auf die Sektion Mythen zugeschnitten sei und dieses nun den Tourenleitern präsentiert.

«Wichtig ist eine gute Tourenvorbereitung, beispielsweise, sich über die Lawinensituation zu informieren, das Wetter zu studieren, die Ausrüstung entsprechend zu wählen oder dass man auch mal das Gespräch mit einem lokalen Hüttenwart sucht», erklären Röbi Lumpert und Tourenchef Thomas Feer einhellig. Die Tourenleiter der Sektion seien gut ausgebildet, aber es schade nicht, Pflichten in Erinnerung zu rufen. Das Notfallkonzept liege nun vor, es werde an alle Tourenleiter ausgehändigt, aber auch Tourengänger könnten sich damit ausrüsten. «Es ist ja auch möglich, dass sich ein Tourenleiter bei einem Ereignis verletzen könnte. Da ist es hilfreich, wenn auch die Gruppenteilnehmer mit der Situation umzugehen wissen», so Krisenstabsleiter Röbi Lumpert.

Viel Arbeit und Wissen ins neue Konzept gesteckt

Der Arbeitsgruppe Notfallkonzept gehörten nebst Röbi Lumpert Thomas Feer, Edith Baumann und Rettungschef Thomas von Rickenbach an. «Wir haben viel Arbeit und Fachwissen in unser Notfallkonzept investiert», sagt Tourenchef Thomas Feer. «Wir gingen allerdings auch mit der notwendigen Vorsicht und Zurückhaltung ans Werk. Wir wollten vor allem vermeiden, dass sich die Tourenleiter mit viel zusätzlichem Bürokram vor einer Tour beschäftigen müssen. Das würde nicht goutiert», sagt Thomas Feer.

Er sei aber überrascht und das bestätigt auch Röbi Lupert, dass die Präsentation des Notfallkonzepts gut und positiv aufgenommen wurde. Jetzt ginge es darum, dass das Notfallkonzept auch Früchte trage und es die Teilnehmer bei Touren immer präsent hätten. Seitens der Teilnehmenden wurden zahlreiche Fragen gestellt, auf die Antworten anlässlich der Präsentation gegeben werden konnten.

Alois Rey, ehemaliger Leiter im kantonalen Amt für Wasserbau und aktiver Tourenleiter, hat beispielsweise Erfahrungen mit Naturereignissen, aber auch ein grosses Fachwissen in der Tourenleitung. Er warf ein, dass dem festen Krisenstab zu wenig Personen angehören würden. Zudem stellte er die Frage «Wer wird involviert und wer wird beigezogen». Der Krisenstab konnte daraufhin bereits erweitert werden. «Ausserdem», sagt Röbi Lumpert, «wird jetzt das Tourenreglement redaktionell überarbeitet. Es braucht einige wenige Anpassungen, die aus dem Notfallkonzept hervorgehen.» Es habe vielen Klick gemacht, nachdem ihnen das Konzept präsentiert worden sei. «Es geht nicht darum, den Tourenleitern Angst zu machen. Wenn das Konzept aber dazu beiträgt, Unfälle zu vermeiden, dann hat es schon mal seinen Zweck erfüllt», sagt Thomas Feer.

Wichtig sei, dass die Sektionsmitglieder wissen, dass ein solches Konzept jetzt vorhanden ist und man, sollte es zu einem Ernstfallereignis kommen, auch entsprechend reagieren kann. «Wir zeigen dazu den Weg auf. Das Konzept hilft Tourenleitern, den Betroffenen gegen aussen zu helfen und sie vor allem zu schützen. Wir weisen allerdings auch in unserem Tourenreglement darauf hin, dass eine Teilnahme an einer Tour auf eigenes Risiko erfolgt, dass Tourenleiter und Sektion jede Haftung ablehnen», sagt Thomas Feer abschliessend. Für den Notfall wird jetzt eine Notfallkarte erarbeitet und abgegeben.


Medienrummel war nach Vilan-Ereignis beachtlich

So berichtete die Nachrichtenagentur sda/keystone am 29. Januar 2019: «Die Staatsanwaltschaft in Chur bestätigte die Einstellung des Strafverfahrens auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Es hätten sich keine Hinweise auf ein strafbares Verhalten durch den Tourenleiter oder durch andere Personen ergeben, hiess es. Die entsprechende Einstellungsverfügung sei rechtskräftig.» Trotzdem ging dieser Tatsache ein gewaltiger Medienrummel voraus. Jakob Schüpbach zeigte in seinem Referat auf, was damals ablief beim tragischen Lawinenunglück in seiner Sektion ablief. Nach dem Unfall sei es darum gegeben, schnell zu reagieren und den Tourenleiter zu schützen. Es bestand kein Notfallkonzept und so wurde ein Krisenstab ad hoc zusammengestellt. In der ersten Woche nach dem Ereignis habe der Stab täglich für die Sektion gearbeitet. Sofort wurde darauf geachtet, dass keine falschen Namen herausgegeben wurden, was einem weiteren Gau gleichgestellt hätte werden können. Die Staatsanwaltschaft hielt die Namen bis abends unter Verschluss. Es wurde eine Matrix erstellt für die Wichtigkeit von Personen, die informiert werden mussten. Man versuchte, Medienauskünfte zu koordinieren. Der Tourenleiter war bei jeder Tätigkeit dabei, wurde aber vom Careteam begleitet. Auch ein Sicherheitsdispositiv wurde zusammen mit der Polizei erstellt. Der Krisenstab war mehrere Tage beschäftigt.


 


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