Thomas von Rickenbach: Auch in «Randregionen» können sich
Betriebe mit Knowhow profilieren

Thomas von Rickenbach ist Alpinist, Rettungschef unserer Sektion und Unternehmer. Für ein Jahr ist er mit seinem Betrieb Gast im Alpinen Museum Bern. Dort präsentiert er sich als leistungsfähiges Unternehmen aus Muotathal.

 

Erhard Gick

Das Alpine Museum Bern wirbt mit einer einzigartigen Ausstellung: «Alpines Handwerk ist beliebt – nicht zuletzt bei Städterinnen und Städtern, oft verbunden mit der Sehnsucht nach nachhaltigen, «ehrlichen» Materialien und Arbeitsprozessen. Doch wie lässt sich heute vom Handwerk leben? Von Kleidern, Käse, Skiern, Schuhen, Schindeln? Noch dazu in peripheren Alpregionen, für die Erreichbarkeit, Vernetzung oder die Rekrutierung von Fachkräften weit grössere Herausforderungen darstellen als für die Zentren. Wie gelingt Innovation in Bergregionen? Und wie kann Handwerk die Regionalentwicklung fördern und jungen Menschen eine Perspektive bieten?» Thomas von Rickenbach hat seitens des Museums eine Einladung erhalten, seinen Betrieb in bestem Licht zu präsentieren. Das klingt auf den ersten Blick als grosse Herausforderung, ist es auch, aber die vonrickenbach.swiss ag, die Schreinerei von Thomas von Rickenbach, ist ein Betrieb, der sich eben aus der peripheren Randregion längst den Herausforderungen gestellt hat und erfolgreich unterwegs ist.

Aus einem Vorgängerprojekt entstanden

Die Fachhochschule Nordostschweiz hatte bereits eine Ausstellung organisiert, die im Rahmen von «Post alpin» verschiedene Betriebe von so genannten Randregionen zeigte (1. Juli bis 15. Oktober 2017). Der Betrieb von Thomas von Rickenbach war auch an dieser Ausstellung dabei. «Die damalige Ausstellung in Samedan zeigte Betriebe, die es geschafft hatten, sich den schwierigen Bedingungen der Berg- und Randregionen zu stellen und sich zu profilieren», so Thomas von Rickenbach. Es war naheliegend, dass seitens des Alpinen Museums Bern eine Anfrage ins Muotathal kam.

Er habe zuerst gedacht, dass sein Betrieb nicht viele Gemeinsamkeiten mit einem Schindelbauer oder einer Geigenbauerin aufweisen. Der Muotathaler Betrieb hat sich laufend modernisiert. «An der Ausstellung wird Handwerk gezeigt. Ich fand, bei genaueren Überlegungen, dass wir auch viel Handwerk im Betrieb haben, dass nicht alles mit modernsten Maschinen produziert werden kann. So fühlte ich mich dann trotz anfänglicher Skepsis, wohl mit den anderen Ausstellern», erklärte Thomas von Rickenbach.

Vorbereitungen zur Ausstellung kosteten viel Zeit

Sich an einer Ausstellung zu präsentieren, bei der viele Gäste aus der ganzen Schweiz einen Augenschein nehmen werden, kostet viel Zeit, Aufwand und Energie. «Es war extra ein Filmteam bei uns im Betrieb. Die haben Film- und Tonaufnahmen produziert», so der Muotathaler Unternehmer. Der Aufwand habe sich aber gelohnt, ist Thomas von Rickenbach überzeugt. «Der Film wird dann an der Ausstellung gezeigt. Wir Unternehmer können ja nicht persönlich in der Ausstellung präsent sein, aber das Porträt vermittelt einen guten Eindruck, wie wir produzieren», sagt Thomas von Rickenbach.

In Bern wird aber nicht nur der Film gezeigt. Auch produzierte Gegenstände, Messinstrumente, und vieles mehr sind im Alpinen Museum Bern zu entdecken. «Man zeigt, wie unser Betrieb produziert», hält Thomas von Rickenbach weiter fest. «Die Ausstellung ist eine ausgezeichnete Plattform, auf der wir unsere Betriebe präsentieren können. Es sind Kuratoren, welche die Ausstellung professionell eingerichtet haben. Es ist eine Ausstellung für ein grosses Publikum. Davon profitiert nicht nur unser Betrieb, auch das ganze Muotathal wird in ein ausgezeichnetes Licht gerückt», sagt Thomas von Rickenbach.

Dass der Muotathaler nebst seinem Engagement als Unternehmer auch noch ein passionierter Berggänger ist, spielte zwar bei dieser Ausstellung nicht die massgebende Rolle. «Es ist aber immer wieder spannend, wie der Alpinismus plötzlich und nicht ganz unerwartet zum Thema wird und welch interessante Gespräche daraus entstehen können.»


Werkstatt Alpen: Von Macherinnen und Machern

Alpines Museum Bern: 18. Oktober 2019 bis 27. September 2020

Hier fliegen die Späne, es stampft, surrt und zischt. Die Ausstellung «Werkstatt Alpen» stellt Handwerkerinnen und Handwerker aus den Schweizer Alpen vor. Sie schaffen mit Kreativität und Ausdauer nicht nur hochwertige Produkte, sondern auch neue Perspektiven. Die Ausstellung zeigt keine idealisierte Welt, sondern realen Alltag: Was bedeutet es, in einer digitalisierten und globalisierten Welt ein Produkt mit den Händen herzustellen? Wie viel Handarbeit steckt noch im modernen Handwerk – in Skiern, Schuhen, Schindeln?

Das Museum verwandelt sich in eine Werkstatt, in die verschiedene Handwerksbetriebe aus dem Berggebiet einziehen – persönlich oder in Bild und Ton. Sie geben Einblick in ihre Erfahrung und zeigen, was Handwerk heute heisst: vom lokalen Rohmaterial über traditionelle Produktionstechniken bis zur Vermarktung. In der Schindelwerkstatt machen sich die Besucherinnen und Besucher selber ans Werk, um in gemeinsamer Arbeit Teile des Museums einzuschindeln. Handwerker und Handwerkerinnen verlegen während mehrerer Wochen ihren Arbeitsplatz in die Ausstellung. Das Publikum ist eingeladen, den Schaffenden über die Schulter zu blicken und mit ihnen in Austausch zu treten.

Es machen mit: Geigenbauerin Mahdieh Shaharaki, aber die vonrickenbach.swiss ag, die Schreinerei von Thomas von Rickenbanbach, Schindelmacherin Eva Gredig, Skibauer Lucas Bessard, Weberin Jessica Correia De Freitas, Schuhmacherin Florbela Mendes, Käser Gerhard Zürcher.


 

 


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