Viele Leute unterschätzen das Risiko

Thomas von Rickenbach, Rettungschef

Die tragische Nachricht verbreitete sich am frühen Montagmorgen wie ein Lauffeuer: Fünf von sechs vermissten Skitourengängern wurden im Kanton Wallis tot aufgefunden, diese waren am Wochenende auf einer Skitour im Gebiet Tête Blanche unterwegs. «Sie waren schlecht ausgerüstet und sind erfroren», erklärte Anjan Truffer, welcher bei der Bergung dabei war, selber Bergführer und seit 2015 Rettungschef der Bergrettung Zermatt ist. Am Sonntag kam es zudem in Andermatt zu einem tödlichen Unfall eines Freeriders. Abseits der offiziellen Piste löste sich aus noch nicht abschliessend geklärten Gründen eine Lawine, welche einen 53-Jährigen schwedischen Staatsangehörigen in den Tod riss.

Von zentraler Bedeutung bei der Durchführung von Skitouren ist die Planung und Vorbereitung, wie Thomas von Rickenbach, Rettungschef der SAC-Sektion Mythen, gegenüber dem «Boten» ausführt. «Man sollte immer passende Ausrüstung dabei haben. Viel wichtiger ist aber, dass man sich vor der Durchführung den Wetterbericht sowie das Lawinenbulletin genau ansieht und sich mit der Tour selbst, vor allem bei einer Hochgebirgstour, befasst», erklärt von Rickenbach weiter.

Mangelnde Vorbereitung und Selbstüberschätzung

Bevor man eine Tour angehe, empfiehlt von Rickenbach, sich beispielsweise folgende Fragen zu stellen: Wie schwierig ist die Tour? Bin ich genug fit dafür? Und am Tag selbst: Lassen der Wetterbericht und die Lawinensituation eine sichere Durchführung zu? Vor allem in Gebieten, in denen man sich nicht gut auskenne, heisst seine Devise: gut informieren!

Oft würde man sich durch die schönen Bilder, welche auf den sozialen Medien kursieren, auch täuschen lassen: «Viele Leute unterschätzen durch die Eindrücke auf den sozialen Medien das Risiko, welches eine Tour durch Veränderungen des Wetters oder der Lawinengefahr bergen kann. Sie überschätzen sich selbst und wollen eine Tour begehen, ohne sich entsprechend vorzubereiten – das kann fatal enden», erklärt von Rickenbach die Probleme. Das gelte nicht nur für Skitouren, sondern auch für anspruchsvolle Wanderungen: Eine gründliche Vorbereitung bedeutet für ihn das A und O.

Dass von Rickenbachs Eindrücke der Selbstüberschätzung und fehlenden Vorbereitung stimmen dürften, zeigt auch ein Blick auf die Zahlen. 2021 musste der Rettungsdienst der SAC-Sektion Mythen, welcher in die Gebiete Station Schwyz und Station Muotathal aufgeteilt ist, 15 Rettungseinsätze durchführen. 2022 waren es schon 18 Einsätze, und im vergangenen Jahr stieg die Zahl auf 23 Rettungseinsätze an.

«In den wenigsten Fällen ist ein Grossaufgebot nötig»

Trotz der steigenden Zahl sei die Rettungsarbeit aber momentan noch gut zu bewältigen: «In den meisten Fällen führt die Rega den Rettungseinsatz durch, oder es müssen zwei bis drei unserer Rettungskräfte aufgeboten werden. Nur in den wenigsten Fällen ist ein Grossaufgebot nötig», erläutert von Rickenbach.

Hinzu komme, dass die meisten Skitouren in der Region in einem oder zwei Tagen zu bewältigen seien. Dies mindert das Risiko eines Unglücks mit tödlichem Ausgang. Ein entsprechender Fall im Kanton Schwyz aus der jüngeren Vergangenheit, welcher tödlich endete, ist von Rickenbach nicht bekannt. Es ist zu hoffen, dass es dabei bleibt.

Damian Bürgi: Rettungschef SAC Mythen: «Viele Leute unterschätzen das Risiko». In: Bote der Urschweiz, Ausgabe vom: 13.03.2024